Norbert Kasper

KULTUR PUNKTE 028, Emanuel Geibel, Im März

KULTUR PUNKTE 028
29.03.2026

Deutsche Lyrik

Emanuel Geibel

Franz Emanuel August Geibel (* 17. Oktober 1815 in Lübeck; † 6. April 1884 ebenda) war ein deutscher Lyriker. Ab 1843 war er neben Heinrich Heine und Friedrich Rückert der erfolgreichste deutsche Dichter seiner Zeit,[1] dessen Liederwerk Komponisten wie Robert Schumann, Hugo Wolf, Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms inspirierte. Seine Wertschätzung als Wortkünstler und als Autorenförderer im 19. Jhd. ließ im 20. Jahrhundert schon vor dem Ersten Weltkrieg nach. Bis heute allgemein bekannt geblieben sind seine Wanderlieder Der Mai ist gekommen[A 1] und Morgenwanderung (Wer recht in Freuden wandern will, 1839)[2] sowie die Schlussverse des Gedichts Deutschlands Beruf. 1861: „Und es mag am deutschen Wesen / einmal noch die Welt genesen“, die u. a. Kaiser Wilhelm II. zum politischen Schlagwort umformte („Am deutschen Wesen soll dereinst die Welt genesen“). Etliche der mehr als 3.500 Kompositionen zu knapp 300 Gedichten Geibels sind nach wie vor im Repertoire von Solisten im Haus- und Kammermusikbereich.
Leben
Herkunft und Ausbildung
Geibels Geburtshaus in der Fischstraße 25 in Lübeck: zweites Haus von rechts, 25 Jahre nach Geibels Tod

Franz Emanuel Geibel wurde als siebtes von acht Kindern in der Fischstraße 25 in Lübeck geboren. Seine Eltern waren der Erweckungsprediger der reformierten Gemeinde Johannes Geibel und die Kaufmannstochter Elisabeth Louise Ganslandt (1778–1841).[3] Er besuchte das Katharineum zu Lübeck, das er als Klassenbester verließ. Noch als Schüler veröffentlichte er unter dem Pseudonym „L. Horst“ sein erstes Gedicht im Deutschen Musenalmanach für das Jahr 1834, den Adelbert von Chamisso und Gustav Schwab herausgaben.[4]...

Emanuel Geibel – Wikipedia

...


Im März

Es ist mir eben angetan,
Zwei schöne Augen sahn mich an,
Und in den süßen, feuchten Schein
Blickt' ich zu tief, zu tief hinein.
Mir schwirrt der Kopf, mir glühn die Wangen,
Und nun kommt draußen der Lenz gegangen
Über die Hügel, über den Fluß,
Die Schwalbe zwitschert ihren Gruß,
Die Wolken ziehn, und zwischendrein
Fließet der lichte Sonnenschein,
Und aus dem klar vertieften Blau
Säuselt es linde, weht es lau,
Man meint, die Veilchen sind schon da.
Das ist ein sehnsuchtsvolles Weben,
Ein heimlich Locken und Leben
Allüberall, fern und nah.

Und du, mein Herz, wirst nie gescheit,
Lässest so willig dich verführen,
Öffnest der Sehnsucht Tor und Türen;
Von Liebesfreud und -leid
Singest du Lieder
Und bist so froh, bist ganz so töricht wieder
Als wie in deiner jungen Zeit.


Emanuel Geibel

Aus der Sammlung Lieder

................................................
341